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Tag No. 50 - Geht es ohne Streit aus?

 

Der heutige Tag ist für uns ein besonderer Tag. - Nein, nicht weil es der 50. ist. - Kennt ihr das verflixte siebte Jahr? 

Torgit und ich haben es gestern hinter uns gelassen. Heute beginnt das achte Jahr unserer Beziehung. -  Können wir im Nachgang behaupten, dass es wirklich ein verflixtes siebtes Jahr war? Nein, Torgit hat mal wieder recht behalten. Sie hat von Anfang an gesagt, dass unsere Jahre immer besser werden. Das bedeutet nicht, dass wir niemals streiten. Wir haben jedoch das Gefühl, selbst im Streiten werden wir besser. Insbesondere in den letzten Wochen, werden wir konstruktiver. Das bedeutet wir reden mehr über unsere Gefühle und wer, was, wann, wie versteht. Das hilft zumindest den anderen mehr und mehr zu verstehen. Auch wenn ich natürlich von mir behauptet, ein absolut umgänglicher, immer durch aus charmanter, netter und vor allem verständnisvoller Typ zu sein. Torgit sagt sie würde meine Ironie nicht verstehen und dennoch sei ich der weltbeste Ehemann. Mir reicht Letzteres voll. ;-)

 

Wie es sich für einen solch besonderen Tag gehört, schlafen wir erst einmal aus. Denn gestern Abend haben wir mit den Mädels noch sehr lange Gespräche am Kamin geführt. Als klar ist, dass es nach zwölf ist, kam Torgit noch mit dem Hinweis, dass es nun zum Streiten zu spät ist. - Da klar ist, dass wir heute die Kölner verlassen werden, versuche ich den beiden Jungs einen Crashkurs im Feuer machen anzubieten. Diese sind ausnahmsweise Feuer und Flamme, denn sie haben am Vortag gesehen, wie begeisterungsfähig ihre Mütter sind, wenn der Ofen angeheizt ist, bzw. wie frostig, wenn die Hütte, wie in den Tagen zuvor, kalt blieb. Ich versuche mein gesamtes "Pfadfinder"- Wissen noch eimal hervor zu holen.

 

 

Wie war das noch einmal? - Erst einmal den Kamin von der Asche des Vortages befreien. Da hier immer noch etwas Glut vorhanden ist, bietet sich die Möglichkeit auf die Risiken des Feuers hin zu weisen - Dann möglichst trockene Äste von abgestorbenen Bäumen, vorrangig Nadelbäumen zum Zünden zusammentragen. - Darauf achten, dass das Holz immer beim durchbrechen knackt. - Soweit möglich kein Holz mit direkten Bodenkontakt verwenden. - Größeres Holz mit dem Beil spalten. - Ein Zündholz vorbereiten, in dem man an dessen Rand mit dem Messer feine Späne zieht. - Falls vorhanden, dass Zündholz mit ein wenig Wachs einreiben.  - Zeitungen und sonstiges Papier gehört nicht in die Natur und auch nicht in den Ofen. - Ein paar trockene Tannenzapfen und soweit aufzufinden, Harz sammeln, um das Zünden zu erleichtern. - Dann die Hölzer so schichten, dass ein Kamineffekt entsteht. - Ein Knäuel aus trockenen Gräsern in die Mitte. Das Ganze sollte mit einem Streichholz zünden, zur Not ein Feuerzeug und einen Kerzenstummel griffbereit haben. - Ich hab mir sagen lassen die Jungs hätten sich vortrefflich geschlagen. Das eine Streichholz hat gereicht. Ich bin stolz auf sie!

 

 

 

Als Belohnung geht es nun an den Strand. Wir wollen das mit dem Surfen noch ein wenig üben. Wie die beiden Jungs, werde auch ich  heute  "ans Händchen" genommen. Unsere erste Aufgabe soll sein, es über das Weißwasser zu schaffen, dazu müssen wir die Brandungszone durchqueren. Bedeutet mit dem Board so weit ins Meer zu gehen, solange man einen sicheren Stand hat. Dann auf dem Brett kraulend durch die Wellen zu pflügen, bis diese nicht mehr brechen. Sobald eine Welle kommt, einen leichten Liegestütz auf dem Board, damit das Wasser zwischen Körper und Brett durch kann. - Das sieht leichter aus, als es ist. - Auf dem so genannten Grünwasser, ich hoffe die richtigen Begriffe zu benutzen, kann man sich dann ein wenig ausruhen. Ungebrochene Wellen zu surfen ist sicherlich der Traum jedes Surfanfängers. - Sicherlich habe ich mich katastrophal geschlagen. Doch vor allem habe ich eines gelernt. Das Gesicht mit den Armen zu schützen, wenn man vom Board fällt. Das Meer hat mehr Kraft. - Heute konnten mir die zwei zwölfjährigen Jungs etwas vormachen. Kennt ihr das? Solche Pimpfe lernen einfach schneller. Doch am Ende ging auch ich mit dem Gefühl eines kleinen Jungens aus dem Wasser. Es hat einfach richtig Spaß gemacht. - Doch das coolste kam überhaupt noch, denn am Strand saß Torgit, die ebenfalls ihre erste Surf-Stunde absolviert hatte. Das Lächeln auf ihrem Gesicht sprach Bände. Der Tag am Beach, war anstrengend, doch vor allem super-, supergeil.

 

 

Auch heute bewährt sich mal wieder unsere provisorische Außendusche. Auch wenn echte Surfer angeblich Salz auf der Haut als Peeling ansehen, freuen wir uns dieses abzuspülen. - Wir setzen uns noch ein wenig an den Strand und genießen die Sonne. Als wir uns gerade damit beschäftigen, einen Platz für die Nacht zu suchen, bekommen wir eine Nachricht unserer Dutch Friends. Diese haben einen Stellplatz, im Wald, in der Nähe von Sintra gefunden. Wir beschließen spontan, uns diesen anzuschließen. Als wir vor Ort ankommen, wird es bereits dunkel. Da dies hier ziemlich schnell geht, bereiten wir erst einmal unsere Koje vor. Doch dann gilt es etwas warmes zu essen. Erst jetzt merken wir, wie hungrig wir sind. Obwohl unser heutiges Mahl nur ein Resteessen des Vortages ist, schmeckt es furchtbar lecker.

 

Eigentlich wollten wir noch etwas lesen, doch nach ein paar Zeilen merken wir, dass uns langsam die Augen zu fallen. Time to Sleep.

Kurz vorm Einschlafen, denke ich mich noch einmal zurück auf's Meer. Wenn es stimmt, dass "„The best surfer out there is the one having the most fun.“ - Phil Edwards - dann war ich schon richtig gut. ;-)

 

 

 

Erkenntnis des Tages: Für mich gilt, erst wenn das Take Off im Weißwasser funktioniert, gehe ich zurück in die grünen, noch ungebrochenen Wellen.