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Tag No. 82 - Abschied von der Algarve

 

Nachdem wir gestern Abend, für uns ganz alleine, auf dem Kliff den Sonnenuntergang genießen durften, hatten wir heute morgen das Glück, ebenfalls den Sonnenaufgang am selbigen Platz zu bewundern. - Es galt nur den Kopf, statt nach rechts, nach links zu wenden. Inzwischen hat sich unser Rhythmus deutlich geändert. Früher habe ich oft bis 21:00 oder 22:00 Uhr gearbeitet. - Danach wurde zu Abend gegessen, und dann noch ein Film geschaut. - Selten war ich vor 1:00 Uhr im Bett. Selbst an Tagen, an denen ich mich morgens mal sportlich betätigt habe, war dies selten vor oder beim Sonnenaufgang. Hier ist es ganz anders. Wenn die Sonne untergegangen ist, geht auch unser Abend zu Ende. In der Regel sind wir eine Stunde später in der Koje. (Anm. von Torgit: Hier in Portugal geht die Sonne später unter als in Deutschland)

 

Da es zu regnen anfängt, starten wir heute auch nach dem ersten Kaffee durch. Die Sorge ansonsten Hector fest zu fahren, ist zu groß. Es wird uns immer bewusster mit Spector, so wird Hector's Nachfolge heißen, muss auch Allrad her.

 

Wir fahren ein Stückchen weiter parallel zum Kliff und kommen zu den Höhle von Benagil. Von dort ist es nur ein kleiner Fußmarsch bis zu einer spektakulären Grotte. Wir liegen auf dem Bauch und blicken ins tiefe Dunkel. Unter uns tobt die Brandung. Ein Wahnsinnsgefühl.

 

Ein Stückchen oberhalb am Kliff sitzt ein junges Mädchen unter einem Klippenüberhang. Sie wirkt so entspannt, da muss ich sie stören. Ich spreche sie auf Englisch an und frage, ob sie ein Bild von sich möchte. Sie hält mir lachend ihre GoPro entgegen. Statt Bild gibt es halt ein Video. Es stellt sich heraus, dass sie ebenfalls eine Reisende ist. Anna kommt vom Dorf. Wisst ihr wie Landmädchen ihre Heimat beschreiben? - "Kennt ihr Stuttgart? Kennt ihr vielleicht auch Tübingen? Vielleicht kenn ihr dann ja auch noch Balingen? Ich komme von einem kleinen Dorf in der Nähe von Balingen, dass kennt sowieso keiner." - Anna ist genauso sympathisch wie ihre Beschreibung. Wir wünschen ihr viel Zufriedenheit auf ihrer Tour. - Torgit macht noch ein Suchbild von mir. - Später wandern wir durch den Regen zurück zu Hector. Eine Jacke wäre sinnvoll gewesen.

  

 

Nach einem Frühstück machen wir uns auf zu unserem Stellplatz Skys Pension Nähe Almancil. Hier werden wir Hector in den nächsten Tagen parken. Auf dem Weg zum Stellplatz sehen wir an einem Kreisverkehr ein sehr geiles Bimobil und einen Defender. Mein Interesse ist geweckt. Erst beim Überholen merke ich, dass ich überhaupt nicht darauf geachtet habe, dass ich 180 Grad in die falsche Richtung gefahren bin. Also Kehrtwende und zurück. - Warum lacht Torgit über mich?

 

Vor Ort treffen wir auf eine spannende Gemeinschaft. - Rafael Paulo, der Besitzer fühlt sich als Deutscher, obwohl er portugiesische Wurzeln hat. Doch in der hiesigen Gesellschaft seinen Traum zur Realisierung von Tiny Häusern umzusetzen, stößt immer wieder an Grenzen. - Wie von mir gedacht, ist der Weg zum Eigentum hier deutlich herausfordernder, als es sich mancher Tourist denkt. - Der Stellplatz ist ausgesprochen rustikal, was aber durch die offene Art der Besitzer in den Hintergrund gerät. - Wir fühlen uns wohl.

 

Als wir unseren Hector einparken, stellen wir uns neben Tanni mit einem T6 von NordVan, einem Ausbauer aus Neumünster.  Das Konzept auf Basis des langen Radstandes scheint gelungen, bestätigt uns jedoch noch einmal in unserer Wahl für einen SpaceCamper. Tanni hat sich für ein Jahr eine Auszeit genommen und beschreibt diese auf ihrem Blog: https://tanniontour.de/ 

 

Hier habe ich endlich wieder die Möglichkeit gut online zu gehen. Spannend finde ich, dass das mobile Telefonnetz und das Datennetz oft gegensätzlich funktionieren. - Plötzlich erinnert mich facebook an den RTL Spendenmarathon von vor drei Jahren. Nachdem ich in den letzten Jahren gemeinsam mit "meinem" Team auf Spinningrad, Kettcar und Tretroller mitgefahren bin, freue ich mich diesmal entspannt von der Ferne zuzusehen. Das Team OKAL hat sich, auch ohne mich, vorbildlich geschlagen. Weiter so!

 

 

Um die Mittagszeit ist der Stellplatz buchstäblich in Deutscher Hand. Zumindest wird deutsch gesprochen. Gegen Abend wird es weltoffener. Der Kreis erweitert sich. Kennt ihr den? Ein Franzose, ein Engländer und drei Deutsche sitzen an einem Lagerfeuer? Kommen Polen, Schweden, Schweizer dazu... - Wo der Witz ist? Wartet auf das Ende.

 

Als ich ein paar Minuten später zur Feuerstelle komme, ist Torgit bereits in ein Gespräch mit Udo, einem Berliner vertieft. - Wobei Berliner eigentlich das falsche Wort ist. Doch zumindest hat Udo über viele Jahre in Berlin, mit einem Geschäftspartner, ein Unternehmen geleitet. Was zuerst als kleine Bude begann, war am Ende ein Unternehmen mit 56 Mitarbeitern. - Doch eines Tages, im jungen Alter von knapp 50, hatte Udo plötzlich keine Lust mehr auf die Verantwortung. Er verkaufte seinen hälftigen Anteil am Unternehmen, von einem auf den anderen Tag, für einen Euro mit der Bedingung, dass er am selben Tag frei wäre, an seinen Kompagnon. - Udo hat sich für ein Leben in Freiheit entschieden. 15 Jahre verbrachte er in Kanada, genauer gesagt in Yukon. Der Klondike-Goldrausch, der damals viele Abenteurer in dieses Gebiet getrieben hat, ist lange, lange her. Heute leben auf einem Gebiet, was fast doppelt so groß wie Deutschland ist, nur 38.000 Einwohner, davon allein drei Viertel in der Stadt Whitehorse. Also Ruhe satt. Udo lebte laut seinen Beschreibungen so, wie man sich das vorstellt: Blockhütte bauen, Kanutouren auf dem Yukon River, mit dem Pick-Up kreuz und quer, nicht nur durch den Norden Amerikas. Zum Thema Bären lacht er nur, Mücken wären schlimmer. - Inzwischen ist Udo 73 Jahre jung. Doch von Reisen und Abenteuer, hat er noch lange nicht die Nase voll. Das hofft er zumindest, denn eine Netzhaut Ablösung, könnte ihm in den Weg kommen. Ansonsten macht er einen mehr als pfiffigen Eindruck. Er ist immer noch mit Tiny, seinem Hund auf Tour. Seine letzte Route ging entlang der Ostsee, über Polen, Estland, Litauen, hoch nach Skandinavien, Schweden, Finnland, Lofoten und dann zurück über Norwegen. Die beiden haben noch viel vor und man mag es ihnen zutrauen.

 

Doch wie war das noch mit dem Witz? - Bevor das Feuer nieder gebrannt ist, holt der Schweizer einige Instrumente, unter anderem ein Didgeridoo, eine Rassel, eine Flöte aus seinem Van. - Schnell findet sich auch noch eine Gitarre. Der Reihe nach werden Songs vorgetragen. Der Franzose mit La Bohème von Charles Aznavour, die Schweden mit Abba. Dann folgen Stücke, die ich nicht kenne. Die Deutschen sind mal wieder sehr zurückhaltend. - Ich übernehme dann die Verantwortung mit einem Klassiker: Eisgekühlter Bommerlunder von den Toten Hosen. - Der Franzose ist begeistert, der Rest weiß nichts damit anzufangen. - Ich geh dann mal schlafen. ;-) 

 

Ihr fragt euch noch immer wo der Witz war? - Ihr hättet mich singen hören sollen, das war witzig, sicher das.

 

Morgen geht es Richtung Köln. Wir werden weiter berichten. - Lasst Euch überraschen.

  

Erkenntnis des Tages: Es geht nach Zuhause und dennoch verlieren wir unser Heim. - Wir freuen uns schon jetzt, wenn es zurück an die Algarve geht. 

 

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