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Tag No. 83 - Von Faro nach Kölle am Rhein

 

Es gibt Tage, die beginnen mit einer Tragödie. - Heute war unser Gas alle, so war unser morgendlicher Kaffee in Gefahr. Denn der Bus war so an einer Wand geparkt, dass ein Wechsel der Gasflasche zumindest heute nicht möglich gewesen wäre. Doch Camper helfen Campern. So haben wir aus der Nachbarschaft ein Elektrokochfeld ausgeliehen bekommen. Der Start in den Tag war gerettet.

 

Ansonsten stand heute erst mal Hausputz oder soll ich sagen Hector Putz an. Es wurde gesaugt und gewischt. Alle verderblichen Lebensmittel wurden verschenkt. Dann ging es ans Packen. Obwohl wir zugegebenermaßen nicht viele Dinge mit nach Deutschland nehmen.

 

Nach einer kurzen Verabschiedung waren wir auch schon auf der Tour zum Flughafen Faro. Rafael, der Besitzer des Stellplatzes, übernimmt diesen Service. Was will man mehr? - Zumal noch Tipps folgen, z.B. wo es noch preiswert frisches Wasser zu kaufen gibt und so weiter. - So kommen wir recht entspannt am Gate an. 

 

Der Flug nach Frankfurt erfolgt reibungslos. Endlich mal wieder Zeit, ein wenig zu lesen. Als wir uns auf dem Landeanflug befinden, sind wir schon gedanklich auf dem Weg zum Bahnhof. Doch wir haben nicht daran gedacht, dass der Kapitän seinen Flugschein in der Lotterie gewonnen haben könnte.

 

Ich behaupte schon etliche harte Landung erlebt zu haben. Mit einer Antonov 2, auf einem polnischen Stoppelfeld, auch die Landung auf einer kenianischem Buckelpiste war nicht ganz sanft und von Kuba 1992 will ich gar nicht reden. - Doch dies war alles nichts, gegen die heutige Landung. Gefühlt setzten wir viel zu schnell auf, es rumste, und das ganze Flugzeug begann deutlich zu schlingern. Unser Magen ebenfalls. Doch dann schien sich die Maschine langsam wieder zu fangen. - Nicht schön, dafür hat dann auch keiner mehr gewagt zu klatschen. Ich habe es selten so ruhig nach einer Landung erlebt. Erst im Bus war die übliche Unruhe wieder zu spüren.

 

Als wir durch den Flughafen laufen, stahlt schon überall die Weihnachtsdekoration. Torgit bringt es auf den Punkt. Doch das soll sie berichten. 

 

Bis die Bahn kam, hatten wir noch Zeit für ein kleines Pils. - Schon war sie wieder da, die deutsche "Höflichkeit". Sie können sich doch nicht einfach an einen freien Tisch setzen. - Doch konnten wir, es waren jede Menge da, was mich auch beim folgenden Service nicht wundert. 

 

Danach ging es per ICE zügig nach Köln, dann noch fünf Minuten mit dem Taxi und schon standen wir vor unserer Haustür. Unser zu Hause hat uns wieder, doch unser Heim Hector fehlt uns jetzt schon. Doch wir versüßen uns den Abend noch mit Sushi.

 

Erkenntnis des Tages: Der Flug ist erst beendet, wenn das Flugzeug eine endgültige Parkposition eingenommen hat und die Anschnallzeichen erloschen sind.

 

Torgit: So, nachdem ich das Schreiben hier lange Marc überlassen habe, möchte ich heute einmal meinen Gefühlen freien Lauf lassen: Am Flughafen Faro werden wir wieder in die Norm gepresst. Ryanair macht uns das mit ihrem Koffermassgestell deutlich. Oder wie nennt man dieses Ding? Mir fehlen dazu buchstäblich die Worte. Also raus aus der Freiheit und schnell wieder anpassen. 

 

Am Flughafen Frankfurt fällt mir als erstes die Weihnachtsdekoration auf. Als nächstes sehe ich im Restaurant Werbung für das Silvester-Buffet. Das ist mir erst einmal ganz fremd, ich kann nichts damit anfangen und fühle mich unbeteiligt. Dann bin ich erleichtert: Kein Weihnachtsstress dieses Jahr. Nicht für uns. Kein schlechtes Gewissen oder das Gefühl, dass man den Anforderungen nicht gerecht wird, die ich selber oder andere an mich stellen. Kein permanent latent schlechtes Gewissen. Kein Rechtfertigen vor dem inneren Kritiker. Ist die Weihnachtsdeko schön genug? Hätte ich mir mehr Mühe geben können, sollen, müssen? Die Dekoration der Nachbarin ist viel schöner.  Warum habe ich nicht früher angefangen mit den Vorbereitungen? Eigentlich backe ich gerne Plätzchen.  Nur wann? Und wer soll sie essen? Die neue Hose kneift doch schon wieder. Was schenke ich wem? Schnell, zwischen Teammeeting und Monatsabschluss die Geschenke besorgt, viel zu oft aus Zeitmangel online,  während das Abendessen auf dem Herd köchelt. Obwohl ich doch viel lieber den kleinen Einzelhandel unterstütze. Und macht bummeln durch die kleinen Läden nicht eigentlich auch Spaß? Wenn man Zeit hat. Warum ist ausgerechnet die ach so besinnliche Adventszeit so stressig? Was essen wir Weihnachten? Es soll ja etwas besonderes sein. Man gönnt sich mal was. 

 

Was machen wir wann? Wen sehen wir wann? In meiner Kindheit war Weihnachten eine einzige Rumfahrerei: Mittagessen bei der einen Oma, Kaffee & Kuchen bei der anderen Oma, Abendessen bei der Uroma. Alles immer sehr schön, aber auch irgendwie eine Pflichtübung und auch nicht unanstrengend.  Heiligabend gab es immer Streit, weil alle es besonders gut machen wollten und überfordert waren. Bitte nicht falsch verstehen, ich liebe meine Familie sehr. Nicht nur an Weihnachten.

 

Marc und ich fahren Weihnachten nicht rum, sondern genießen mal unsere Ruhe. Die wir ja sonst nie haben. Allerdings, wenn dann die WGs über uns nach Hause fahren, und das große Haus Weihnachten sehr ruhig und verlassen wirkt, fühle ich mich einsam und irgendwie falsch. 

Und warum haben Weihnachtsmärkte zwischen den Feiertagen, wenn ich Zeit habe, eigentlich zu? Ein Gutes hatte unser Stress: wir konnten nie so viel Bohei um Weihnachten machen, da hatten wir gar keine Zeit für. Es heißt zwar immer: Zeit hat man nicht, die nimmt man sich für Dinge, die einem wichtig sind. Aber bei uns war eher: Wer am lautesten schreit, wird gehört. Und schreien konnte ich noch nie besonders gut.

 

Fazit des Tages: Nein Danke, ich möchte dieses Jahr kein Weihnachten. 

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