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Was hat Weiße Ware mit Campen zu tun?

 

"Wunderliches Wort: die Zeit vertreiben!

Sie zu halten, wäre das Problem.

Denn, wen ängstigts nicht: wo ist ein Bleiben,

wo ein endlich Sein in alledem?..."

 

Ab und zu wird in unserem Blog die Bezeichnung Joghurtbecher oder auch weiße Ware für das klassische Wohnmobil verwandt. - Da mag es nicht verwunderlich sein, dass wir auch mal einen Kommentar eines Lesers, einer Leserinnen unseres Blogs erhalten. EinerLeserin habe ich wie folgt geantwortet:

 

Ich hatte ja vorhin geschrieben, dass eine Leserin unseres Blogs, uns geschrieben hat, dass sie meine Äußerungen zur Joghurtbecher -Fraktion "echt schade findet, vor allem, dass die großen net gut weg kommen". - Sicherlich ein guter Anlass einmal darüber nachzudenken. In der Kommunikation heißt es, es gibt ein Sender-Empfänger Verhältnis. Es kommt diesbezüglich nicht darauf an, was der Sender denkt und meint zum Ausdruck zu bringen, sondern wie es beim Empfänger ankommt. Also scheine ich mich falsch ausgedrückt zu haben. - Deshalb erst einmal herzlichen Danke für den netten Text und das sehr sympathische Feedback.

 

Ich versuche es noch einmal: Heißt es nicht, nichts ist beständiger als der Wandel? - In meiner Jugend galten Schrebergärten als wirklich, wirklich uncool. Wer einen solchen hatte, galt als Inbegriff des Spießertums. Umso schockierter war ich, als ich vor ein paar Jahren, von einem trendigen Architektenpaar, eine Einladung in ihren Schrebergarten erhielt. 

 

Doch was ich vorfand, hatte wenig mit dem erwarteten Gartenzwerg Klischee zu tun. Zwar wurde immer noch etwas Gemüse angebaut, doch dieses war nun Bio und somit ganz hipp. Nein nicht Klaus Hipp. Ob dieser hipp ist, solltet ihr selber entscheiden.

 

Doch was war da aus der Laube geworden? Ein großes Fensterband brachte Licht in die Hütte. Die Wände strahlten weiß. Alles wirkte hell und freundlich. Innen stand nun ein Bullerjan Free Flow FF17, somit fast schon eine Designikone unter den Kaminen. Für den Fall, dass man auch mal im Winter übernachten wolle, war somit gesorgt. Direkt vor dem Fenster stand ein siebziger Jahre Chair. Doch von wegen spießig, es war ein echter Eames. Und somit ein Lounge Stuhl, den ich nicht nur für bequem, sondern vor allem für sehr, sehr cool halte. Die ganze Hütte war geschmackvoll, mit Accessoires verschiedener Urlaube des Architektenpaares, dekoriert. Die weite Welt in einer Laube. Selbst das Schaffell wirkte hier ziemlich cool. - Statt Fernseher gab es ein kleines Bücherregal mit spannender Literatur. - Sogar eine kleine Hausbar, samt Humidor war vorhanden. - Hier hätte man direkt einziehen können.

 

Da es jedoch Sommer war, stand man draußen um ein kleines Lagerfeuer herum. Zwei Hängematten gab es auch noch. Doch eines war geblieben. Man trank immer noch Bier aus Flaschen. Doch was war aus den Schrebergärtnern geworden? Vielleicht waren sie doch auf die eine oder andere Art Vordenker? Es ist nicht bei diesem einen coolen Garten geblieben. Im Umland von Berlin und Köln und sicherlich auch von Hamburg, Frankfurt und München findet man inzwischen viele coole Kleingärtner. - Was gestern noch als spießig galt, ist heute hipp.

 

Kann man dies nicht auch auf die Camper Welt übertragen? Natürlich, es gibt immer noch das Rentner Paar, welches als erstes die Satellitenschüssel ausrichtet, den Gartenzwerg vor die Tür setzt und bei dem entweder der Fernseher oder der Staubsauger läuft. Die 4 Monate auf dem gleichen Campingplatz überwintern. Und wenn es sie glücklich macht, dann bitte schön. - Ich maße mir nicht an, darüber zu richten, ich sage nur, mich würde dies nicht glücklich machen. Doch Gott sei Dank sind wir nicht alle gleich, wäre ja ansonsten ziemlich öde oder?

 

Doch scheinbar gibt es mehr und mehr Menschen, die von einem freien, einem unabhängigen Leben träumen. Die ihr Fahrzeug ebenso unabhängig und autark gestalten wollen. - Doch obwohl die steigenden Zulassungszahlen eine  deutliche Sprache sprechen, scheinen die Hersteller die Zeichen entweder zu überhören oder bewusst weg zu hören.

 

Auch in den Siebzigern gab es Hippies, die mit ihrem selbst ausgebauten VW-Bus bis nach Indien fuhren. Und heute scheint es eine neue Generation von Hippies zu geben. - Bitte schön! - Doch gibt es nur das eine, sprich Hippie oder das andere, sprich Spießer? Ich möchte das nicht glauben. Ich denke eher, dass viele auf einen klassischen Camper zurückgreifen, weil es keine Alternative oder nur wenige Alternativen gibt.

 

Und um eine weitere Lanze, für die weiße Ware zu brechen, muss ich ja eingestehen, dass ich inzwischen etliche ziemlich coole Typen unter deren Besitzern kennen gelernt habe. Doch meist haben diese nicht, mit einem weißen Wohnmobil angefangen. Vorher gab es einen Bulli, eine Lappländer oder sonst was Cooles. Doch mit zunehmendem Alter oder mit den Kindern wurde halt auch der Anspruch auf Raum und Comfort größer. Das Herz schlägt immer noch wild und frei, doch die Alternativen sind beschränkt. - Es geht also nicht um Euch Großen, ab und zu hätten wir auch gern ein eigenes Bad. - Doch eines wusste ich komischerweise bereits als junger Kerl:

 

"Vielleicht werde ich einmal groß, vielleicht werde ich alt und grau, doch nie, nie werde ich erwachsen"

 

 

Hector scheint übrigens keinerlei Vorurteile zu haben. Fühlt er sich offensichtlich "sogar" neben einer Landyacht mit Beibotten, von Concorde ausgesprochen wohl. Wie man an der Concorde auf VW LT Basis erkennt, haben selbst die Jungs nicht mit einem Centurion angefangen, sondern hatten auch einmal ein wildes Herz. - Die Fahrerin der Concorde war nicht nur cool, so mit Motocross Maschine und so, sondern vor allem ausgesprochen hübsch. - Doch das ist anderes  Thema.

 

Mir fällt dazu das Gedicht "In meinem wilden Herzen" von Rilke ein. 

 

 

"...Sieh, der Tag verlangsamt sich, entgegen

jenem Raum, der ihn nach Abend nimmt:

Aufstehn wurde Stehn, und Stehn wird Legen,

und das willig Liegende verschwimmt ..."

 

Wir merken ja selbst, wie unflexibel der Markt sich gestaltet. Entweder von der Stange oder teuer oder Selbstausbau. Doch Studien wie die VisionVenture von Hymer zeigen, dass es auch anders geht. So wird es sicherlich in Zukunft auch coole Joghurtbecher geben. Die sind dann nur nicht mehr weiß. Und zum Schluss noch ein Hinweis, ich liebe Joghurt. Ohne ihn schmeckt mein Müsli nur halb so gut.

 

...Berge ruhn, von Sternen überprächtigt; -

aber auch in ihnen flimmert Zeit.

Ach, in meinem wilden Herzen nächtigt

 

obdachlos die Unvergänglichkeit."

 

 

PS: Kleine Empfehlung für alle, die noch ein wildes Herz haben, Rilke Projekt, Schönherz & Fleer, Laith Al-Deen:

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