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Tag No. 180 - Ibiza - Wind, Waves and Nature

 

Unser heutiger Beitrag beginnt mit einem kleinen Rückblick zum gestrigen Abend. - Gegen 17:00 Uhr beschließen wir, vom Strand oben auf das Kliff zu fahren, um uns einen Platz für die Nacht zu suchen. Doch wie ist der Zufall so will, ist unsere windgeschützte Ecke, von der gestrigen Nacht, bereits durch einen anderen  Bulli beschlagnahmt.

 

Wir schauen uns noch ein wenig um, doch alle Plätze sind uns entweder zu öffentlich oder zu windig. Die Wetterprognose sagt uns für die kommende Nacht und den morgigen Tag noch weitaus stärkere Böen voraus. So beschließen wir wieder in Richtung Strand Benirrás zu fahren. Wir wollen windgeschützt im Flussbett, welches wir ja schon kennen, einen muckeligen Platz finden.

 

Als wir an der Calá Benirrás ankommen, hören wir schon von weitem die Trommeln. Es ist ½ Stunde vor Sonnenuntergang. Heute haben sich etliche Trommler versammelt. Eine wilde Mischung aus Rastafari und Hippies. Die Stimmung ist ausgelassen, fröhlich und vor allem chillig. Viele coole Leute. Auch heute sind wir in der netten Cannabiswolke umschlossen. 

 

Wir schließen uns erst einmal den Tanzenden an.  - Doch die Minuten kurz nach Sonnenuntergang sitzen wir am Strand und genießen. Ein wunderschöner Ausklang unseres Wochenendes. Später erfahren wir, dass die Trommler sich um diese Jahreszeit zu jeden Sunday Sunset hier versammeln. Im Sommer wohl häufiger. - Zufall? Nein, es fällt zu, was fällig ist. - Was wird der heutige Tag bringen?

 


Der heutige Tag bringt vor allem eines: Wind, Wind und noch mehr Wind. - Lassen wir uns davor schrecken? Nein, wir fahren erst einmal runter zum Strand von Benirrás.  - Schwimmen? - Als ich aus dem Auto steige, ist sofort klar, das wird nichts. Dafür habe ich direkt den halben Strand zwischen den Zähnen.

 

Dann doch lieber unser Müsli an Bord einnehmen. Mit Blick aufs Meer, sowie die stürmischen Wellen, hat auch dieses seinen Reiz. Was mit dem Tag anfangen? So beschließen wir ein wenig die Insel zu erkunden.

 


 

Unser erstes Ziel Sant Miquel de Balansat. - Statt uns nach der für Pkw ausgewiesenen Route zu halten, folgen wir einem kleinen Sträßchen, welches hier - 39°05'16.7"N 1°27'28.3"E - circa 500 m hinter dem Strand von  Benirràs rechts abbiegt. Hier liegt auch Ibiza Yoga, https://www.ibizayoga.com/, dessen Anlage sich sehr naturbezogen an den Hang schmiegt.

 

Die Straße windet sich am Berg entlang und bietet einen wunderbaren Ausblick auf die Bucht von Benirràs. Hier oben, nur 1,5 Kilometer vom Yoga Zentrum entfernt, steht eine spektakuläre Bauhaus Villa, mit einer großen Fensterfront. Minimal Windows, da hat jemand viel Geld in seinen Ausblick investiert. Doch dieser ist auch wirklich beeindruckend. Nach einem weiteren Kilometer sehen wir die Hinweisschilder der Höhle „Cova de Can Marçà“. - Wir halten spontan, die ca. 100.000 Jahre alte Tropfsteinhöhle, welche auch zeitweise als Schmugglerversteck genutzt wurde, soll angeblich sehr schön sein. Doch die letzte Führung ist gerade erst gestartet. Wir verzichten deshalb auf einen heutigen Besuch. Der Eintritt für Erwachsene kostet elf Euro. Vielleicht ergibt sich das ja noch mal zu einem anderen Zeitpunkt.

 

Für uns geht es weiter, vorbei am Hafen von San Miguel. Von hier sind es noch circa 4 km bis in den Ort. Zu dieser Jahreszeit ist die Insel sehr grün. Wir sehen Pinien, Olivenhaine, wilde Kräuter und vor allem Mauern. Diese Natursteinmauern gliedern die Insel in viele kleine Areale. Dazwischen immer wieder eine Finca. Uns haben es besonders die abgerundeten Ecken, so wie die Kombination aus weißem Putz und altem Natursteinmauerwerk angetan.

 

In Sant Miguel fahren wir die Straße hinauf bis zur Kirche Eglesia de Sant Miguel. Aufgrund des pfeifenden Windes, halten wir jedoch nur kurz und fahren dann weiter. Unser nächstes Ziel ist Santa Agnés de Corona, ein kleiner verträumter Ort. So wie man sich Ibiza vorstellt. Unterwegs sehen wir etliche Mandelbäume. Die Blütezeit geht ihrem Ende zu. - Die weißen und rosafarbenen Blüten verleihen dieser Gegend einen ganz eigenen Charme. Wir habe ja schon etliche Mandelbäume auf unserer Tour gesehen, doch hier könnte man zeitweise meinen, es hätte geschneit. Auch die Kakteen stehen in ihrer vollen Pracht. Die Landschaft wirkt farbenfroh. Insbesondere der Kontrast der diversen Grüntöne in Verbindung mit der teilweise rostroten Erde. - Was habe ich dazu noch mal in der Schule gelernt?

"Rot und Grün sind Komplementärfarben, die sich auf dem Farbkreis gegenüberliegen – Der Kontrast wirkt extrem und lebendig, da sich die Farben in ihrer Wirkung gegenseitig verstärken." - War das so richtig? - Es gibt also doch Dinge, die ich mir gemerkt habe. 

 

 

 

In Santa Agnés halten wir erneut. Obwohl auch hier der Wind pfeift, beschließen wir der kleinen Kirche einen Besuch abzustatten. Die Kirche wirkt von außen kaum größer als eine Kapelle. Doch ihre Schlichtheit ist es, was uns für sie einnimmt. Als wir das Kirchenschiff betreten, stellen wir fest, dass sie größer ist, als sie auf den ersten Blick erscheint. Sechs Seitenkapellen zählen wir. - Torgit und mir hat es besonders der Beichtstuhl angetan. Diese Kirche passt zum Ort, welcher ebenfalls schlicht und bäuerlich wirkt. Doch genau dies passt in die Landschaft. Einfach, schlicht und schön! 

 

 

Für uns geht es weiter in Richtung Las Puertas del Cielo. Die Straße wird noch schmaler. Die Fincas am Straßenrand sind wunderschön. Vor einer entdecken wir einen riesigen Kaktusbaum. Hier befindet sich an der Steilküste ein Restaurant, welches uns empfohlen wurde. Doch der Wind pfeift über die Anhöhe. Der Blick von hier auf das Meer ist gigantisch. Heute ist es unter den Pinien wohl eher gefährlich. Denn die Bäume knacken im Wind. Torgit geht nur wenige Schritte und tastet sich schnell zurück zum Auto. Ich folge ihr kurz darauf.

 

Wir nähern uns als nächstes Sant Antoni de Portmany. In der Bucht Cala des Moro halten wir am Meer und machen eine Brotzeit. Die Wellen schlagen über das Kliff. Einige Meter weiter liegt das Café del Mar. Jetzt im "Winter" ist das  geschlossen. - Doch jedes Jahr öffnet es am Karfreitag und schließt die Saison meist in der ersten Novemberwoche ab. - Mitte der 80er, bei meinem ersten Ibiza Urlaub hatte Sant Antoni bereits kapp 13.000 Einwohner und war ziemlich touristisch. Inzwischen dürfte die Zahl sich mehr als verdoppelt haben. Britische Touristen gab es bereits damals. - Doch mit siebzehn oder achtzehn fand ich diese noch cool. - 2006 gab es schon die Hochhausburgen, das Café del Mare war so cool wie noch nie. Wir hörten Volume 13, welches gerade neu raus gekommen war. - Noch heute gilt es als Szenelokal. - Der Sonnenuntergang ist sicherlich noch so spektakulär wie damals, als hier feuerspuckende, hübsch anzusehende Mädchen zur bekannten Lounge Musik tanzten. Doch heute pfeift hier nur der Wind und das Kliff wird durch die hohen Wellen überspült. 

 

 

Wir machen uns auf den Weg nach Ibiza Stadt. Gleich ist die Siesta vorbei, vielleicht entdecken wir ja in der Altstadt ein wenig Leben!? - Von wegen, bereits am Hafen, dem Port d'Eivissa ist der Unterschied zum Sommer deutlich. Wo in der warmen Jahreszeit Luxusyachten vertäut sind, liegen nur normale Bötchen. Der Plaça de la Constitució am Fuße der Altstadt wirkt ebenso verwaist wie die umliegenden Gassen. Alles wirkt zugenagelt. - Es fehlt nur noch, dass irgend ein alter Strauch vom Wind durch die Gassen gewirbelt wird. Wo im Sommer die Besucher der Stadt flanieren, in und vor den Restaurants die Tapas serviert werden, herrscht Stille. - Selbst meine Lieblingsunterkunft Apartamentos Mariano ist verrammelt. Man kann nur erahnen, das sich hinter den Schlagläden die im Sommer so coolen Boutiquen und Bars verbergen. Dalt Vila, frei übersetzt Oberstadt, Ibizas befestigte Altstadt hat eine ganz andere Wirkung, als im Sommer. Auch hier sind die Gassen menschenleer. Ich finde es spannend, denn ich sehe nun viele Details, welche mir im Sommer im Gewühl untergegangen sind. 

In der Calle Conquista, finden wir z.B. eine Wand mit diversen Handabdrücke, u.a. von Uschi Glas, Jean Pütz, Udo Lindenberg, Gunther Strack und einigen Anderen. -  38°54'26.7"N 1°26'04.2"E - Sicher hingen diese schon bei meinem letzten Besuch hier, doch ich habe sie einfach übersehen.  Ja, es ist heute etwas kalt, ja es ist extrem windig. Doch ich genieße es sehr, dass andere, das ruhige Ibiza zu erkunden.

 

Wir haben heute eine Menge Eindrücke gesammelt. Wir haben auch neue, coole Street Art entdeckt. Vor allem hat es uns ein riesiges Wandtattoo in Ibiza Stadt - 38°54'38.2"N 1°25'48.5"E - angetan. Es zeigt das Gesicht eines Jungen, der aus der Brust einer hybriden Kreatur, aus Schwan, Graugans und Fisch auftaucht. Dieses Wandbild entstand 2018, zum Auftakt des BLOOP Festivals, als Symbol der Hoffnung für diejenigen, die es am dringendsten brauchen. In diesem Fall ein syrisches Kind, das bei Angriffen verletzt wurde. - Gemalt wurde es vom venezolanischen Künstler Alfalfa, von dem wir bereits in Tarifa ein ähnlich spektakuläres Graffiti gesehen haben. 

 

Etwas später fahren wir wieder Richtung Norden. - Unser Flussbett spendet uns auch in dieser Nacht Schutz vor den Böen. - Ein guter, nein ein perfekter Tag.

 

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