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Tag No. 186 - Weltfrauentag

 

"Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau ist nur möglich, wenn die Frau sich unterordnet."

 

 

Seitdem Marcus Valerius Martial die o.g. Worte sprach, sind fast 2.000 Jahre vergangen. - Doch würde man ihn als Mann abends in der  Kneipe, so ganz ohne Quellenhinweis zitieren, würde dies sicherlich noch den ein oder anderen Lacher einbringen. - Hat sich seitdem wirklich viel geändert? - Wie vielen ist zwei Zeilen vorher das "als Mann" negativ aufgestoßen. Gar nicht? - Richtig, "als Mann...", "als Frau..." sind Einschränkungen, welche für uns immer noch normal sind. - Doch so lange wir so unterscheiden, wird es keine Gleich-berechtigung geben. - Und seien wir bitte ehrlich zu uns selbst, wie oft sind "wir Männer" noch ebenso borniert und chauvinistisch wie eh und je? - Ich selbst möchte mich davon gar nicht frei sprechen. - Ich bin stolz darauf ein echter Kerl zu sein. - Das sagt doch schon alles. - Und wenn ich auf unserer Tour, so wie gestern auf eine allein reisende Frau treffe, finde ich dies "als Frau" bemerkenswert und mutig. - Bei einem Kerl, würde es mir wahrscheinlich nicht mal auffallen. - Deshalb halte ich mich aus dem Thema besser raus und hoffe das die nächste Generation es besser macht und überlasse weitere Worte zu diesem Thema besser Torgit, "als Frau".  (Anm. von Torgit: Ich äußere mich morgen dazu)

 

 

Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich schon wieder am Strand von Benirrás. - Der gestrige Sonntag begann für uns anders als übliche Sonntage. - Torgit und ich haben den Start in den Tag jeweils mit einer geführten Audio-Meditation begonnen. 

 

Sich ganz bewusst zu machen, dass der gegenwärtige Tag, dass das Hier und Jetzt der wichtigste Moment in Deinem Leben ist, dass nur der Augenblick zählt, ist etwas, was wir, ich und sicherlich auch ihr aus der Kluge-Sprüche-Sammlung kennen. Denn nur in diesem einen Moment kann ich direkten Einfluss auf mein Leben nehmen, nur in diesem Augenblick kann ich mein Leben gestalten. Denn die Zukunft von gestern ist die Vergangenheit von morgen. - Doch den Tag damit zu beginnen, genau dies zu verinnerlichen, ist etwas was ich nicht kannte.

 

Nachdem ich bereits seit längerem, zumindest wenn ich daran denke, meinen Tag damit beende, indem ich mir die drei schönsten Momente des Tages reflektiere, schlafe ich besser, ruhiger und bin morgens entspannter. So nehme ich etwas positive Energie mit in meine Träume.

An manchen Tagen fällt dies einfach und ich muss unter den positiven Eindrücken überlegen, welche drei denn nun am schönsten waren. Doch das war und ist nicht immer so. Es gibt Tage, da beschränken sich die positiven Ereignisse, auf eine Tasse Kaffee oder andere Kleinigkeiten.

 

Ich bin mir sicher, den Tag ebenfalls bewusst mit etwas Positiven zu beginnen, ist auch eine Form, meinen Glücksmuskel zu trainieren. Zumindest hatte ich über den ganzen gestrigen Tag hinweg das Gefühl, dass sowohl Torgit, als auch ich, diesen Tag noch bewusster und positiver erleben.

 

 

  

Wer in einer Partnerschaft lebt weiß, dass Kommunikation nicht immer einfach ist. Dies wird auch nicht unbedingt dadurch erleichtert, in dem man viel Zeit, auf so kleinem Raum miteinander verbringt. Doch wir lernen Tag für Tag, besser zu kommunizieren. Und dies ist unser persönlicher Anspruch. Wir arbeiten gemeinsam genau daran, dass unsere Beziehung besser und besser wird. Und dabei sind wir absolut nicht perfekt. - Ganz im Gegenteil, wir beide nehmen für uns in Anspruch schwierige Menschen zu sein. Doch wir werden besser und besser. (Anm. von Torgit: Ist 'besser' das Gegenteil von 'schwierig'? Ich versuche meinem Leben mehr Leichtigkeit zu geben, und denke damit werde ich auch für mein Umfeld 'unschwieriger' ;-)  )

 

All die Menschen, die wir auf unserer Reise kennen lernen durften, welche ebenso wie wir in einem Van leben, behaupten von sich sie streiten schneller. Auf kleinstem Raum kochen Emotion halt schneller über. Wenn man sich für ein Leben entschieden hat, welches jeden Tag Neues bietet, hat man sich auch für ein Leben entschieden, was weniger Komfortzone bietet. Wir haben für uns gelernt, dass schneller streiten ebenfalls bedeuten kann, konstruktiver und weniger ich bezogen zu streiten. Mehr und mehr lernen wir, nicht die Emotion aber zumindest die negativen Emotionen weg zu lassen. So streiten wir nicht nur schneller, sondern verstehen uns auch schneller. Die Grundlage zur Versöhnung. (Anm. von Torgit: Streiten will echt gelernt sein. Warum lernt man so etwas eigentlich nicht in der Schule?)

 

Doch zurück zu unserer Meditation. Unsere Absicht ist es, diese in den nächsten Wochen in unseren Alltag einzubinden. Vielleicht wird ja daraus eine Komfortzone. Ziel ist es unser Leben um positive Routinen zu ergänzen. - Doch noch stehen wir am Anfang einer weiteren Reise. 

 

 

Doch was haben wir ansonsten mit unserem Sonntag angefangen? - Nach unserer Meditation, wird uns spätestens beim Frühstück nochmals bewusst, auf welch grandiosem Kliff wir stehen. Unser Platz in Pou d’es Lleo bietet einfach einen grandiosen Ausblick. - Torgit und ich gehen bewusst noch mal auf die kleine Landzunge. Der Felsen ist hier an drei Seiten von Wasser umspült. Von der Seite ist erkennbar, dass das Wasser teilweise selbst unter unseren Füßen den Fels durchströmt. - Doch dann brechen wir auf. Am heutigen Morgen möchten wir den Hippie Markt in Sant Joan de Labritja, spanisch Juan Bautista besuchen. Wir wählen eine Route entlang der Küste. Die kurvige Straße erinnert uns ein wenig an die Amalfi Küste. - Der Hippiemarkt, welcher hier immer sonntags statt findet, ist für die kleine Gemeinde auffällig groß. - So wundern wir uns auch nicht, als uns einige Stände aus den Vortagen bekannt vorkommen. Auch Livemusik ist hier zu finden. - Der Markt ist wirklich schön, doch man sollte sich überlegen, ob man wirklich mehrere Märkte am selben Wochenende sehen muss. 

 

Für uns geht es  zurück in Richtung Benirrás. Unsere Freunde verlassen heute Abend die Finca, die sie in den letzen Wochen behütet haben. Es geht zurück in den Van. Die gesamte Familie freut sich darauf in den Bus zu ziehen. - Das muss man sich bewusst machen. Die gesamte Familie freut sich darauf eine fantastische Finca mit Pool, Kamin & Co. gegen ein Leben in einem alten Mercedes Sprinter einzutauschen. Freiheit und Glück kann manchmal so einfach sein.  

 

Doch vorher muss noch klar Schiff gemacht werden. Und wie es an solchen Tagen so ist, das Schicksal ist unbarmherzig. Am Vortag wurde versehentlich die Katze über Nacht im Van eingesperrt. Das Resultat kann man sich denken. Deshalb gibt es heute nicht nur großes Reinemachen, sondern es wird auch der Waschtag vorgezogen. - Wir greifen ein wenig unter die Arme. - Wobei ich den einfachsten Part übernehme. Ich mache das, was ich am Liebsten mache. Ich gehe mit Lisa und Hugo an den Strand. - Doch von wegen relaxen. Es gilt ein Tippi zu bauen, Ball zu spielen und und und. Erst zum Sonnenuntergang werden die Beiden wieder in die Obhut ihrer Eltern übergeben. Doch ich habe die Zeit intensiv genutzt ihnen sämtlichen Blödsinn bei zu bringen.

 

Später stehen Torgit und ich wieder am Strand. Wie auch in der Woche zuvor haben sich die Trommler aus der ganzen Insel hier vereint. Heute sind es nochmals deutlich mehr, als letzte Woche. - Wieder weht die Cannabiswolke umher. - Torgit und ich genießen unsere Dose Bier und tanzen ein wenig. Erst als nicht nur die Sonne untergegangen ist, sondern die Kälte gewinnt, geht es für uns zurück in den Bus.

 

Fazit: Für uns geht nicht nur ein sonniger und entspannter Sonntag zu Ende, sondern ein noch bewussterer Tag als sonst.

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