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Tag No. 195 - flatten the curve - Sonnenuntergang

 

Unsere heutige Reise führt uns zum Fermasee - 48°58'37.4"N 8°16'31.7"E - in der Nähe von Neuburgweier und somit etwas nördlich von Baden-Baden. Wir verabschieden uns von den jungen Campern auf unserem Wald Parkplatz. Diese haben beschlossen  hier noch etwas auszuharren.

 

Normalerweise würden wir nun die Landstraße wählen. Da jedoch auch in Baden-Württemberg die Aufforderung besteht, zu Hause zu bleiben, wir unser Zuhause ja mit uns rumschleppen, ääh fahren, halten wir es für unfair, jetzt  irgendwelche Dörfer, Denkmäler oder sonstige Architektur zu besichtigen. Deshalb durchkreuzen wir den Schwarzwald, parallel zum Rhein auf der Autobahn gen Norden.  

 

Unser Telefon, welches in den letzten Monaten nur selten geklingelt hat, schellt nun häufiger. Nachdem bekannt ist, dass wir wieder in Deutschland sind, wird nach gehorcht. Man spürt förmlich, wie allerseits die Unruhe zunimmt. Gerade aus Köln hören wir zwar noch das ein oder andere Unverständnis, über die aktuellen Maßnahmen.  Eine seltsame Unruhe scheint jedoch auch hier angekommen.

 

Von Et kütt, wie et kütt" und "Et hätt noch immer jot jejange". So geht man nun zu "Et bliev nix wie et wor" über, so ist das Kölsch. 

 

Andererseits wird mir ein Blog zugesandt, wie viel positive Empfindungen, zur Zeit angeblich in Italien entstehen. Da ist von Unternehmen die Rede, die positiv in die Zukunft blicken, obwohl sie gerade die Aufträge für ein ganzes Jahr verloren hätten.  Auch wir kennen das YouTube Video, auf dem Italiener von Balkon zu Balkon singen. Leider kann ich nicht bestätigen, dass die Stimmung bei meiner italienischen Verwandtschaft, welche etwas nördlich von Mailand wohnt, so positiv ist. Wir sind gespannt, sicherlich würden wir uns alle freuen, wenn der soziale Umgang in Zukunft nachbarschaftlicher, friedvoller, umgänglicher, zu vorkommender und einfühlsamer würde.

Wie sind Eure Empfindungen?

 

Wovon ich auf jeden Fall berichten kann, ist, dass wir unser heutiges Mittagsmahl auf einer Bank am See zu uns nehmen. Und es ist wirklich so, dass Spaziergänger, die vorbeikommen, uns nicht nur einen guten Tag, guten Appetit, sondern darüber hinaus auch noch die ein oder andere nette Botschaft entgegenbringen. Scheinbar besteht wirklich ein Bedürfnis gerade in dem Moment zusammen zu rücken, wo mehr als eine Armlänge Abstand von Nöten ist.

 

So nutzen wir die Zeit ein wenig zu lesen. Etwas was wir in den nächsten Wochen sicherlich des häufigeren machen werden. 

 

 

Torgit: Hier noch etwas aktuelles zum Thema Corona bzw. wie Köln mit dem Virus umgeht: Eine Bekannte aus Köln ist heute morgen ins Krankenhaus gefahren, weil sie 39,5 Fieber hat. Sie wollte sich auf Corona testen lassen. Dieser Test wurde ihr verwehrt, da sie nicht mit Sicherheit sagen konnte, ob sie Kontakt mit einer infizierten Person hatte. Und das, obwohl sie aufgrund einer Lungenembolie im Jahr 2018 zur absoluten Risikogruppe gehört. Das ist Köln. Da stellt man sich natürlich die Frage, warum ein Herr Merz, der laut eigenen Angaben, nur leichte bis mittlere Symptome hat, getestet wurde.

 

Das Gebot der Stunde lautet "flatten the curve", d.h den unaufhaltsamen, exponentiellen Anstieg der Infektionszahlen so abzuflachen, dass auch auf dem Höhepunkt der Welle für jeden Kranken ein Platz in der Intensivmedizin vorhanden ist.

 


Als wir so über die Autobahn rollen, werde ich ein wenig wehmütig. Ich wollte immer schon mal ins Elsass, eine der schönsten Gegenden Europas für Naturliebhaber, Genießer und Freunde des Weins und des guten Essens. Ein romantisches Wochenende in den Weinbergen mit einer Fahrradtour durch kleine bunte Fachwerkdörfchen, dem Besuch einer imposanten Burgruine und zum Abschluss ein leckeres Abendessen mit einem guten Glas Wein. Aber irgendwie hat es sich nie ergeben. Keine Zeit.

 

Unsere Freunde Lotte & Rolf schwärmen immer wieder von ihrer Mopedtour in das kleine, wunderschöne Städtchen Colmar. Selbst als wir mehrmals für OKAL in Rust waren, hatten wir leider nie Zeit für einen Besuch.

 

Ich will auch schon seit langem einmal in das Vitra Design Museum in Weil am Rhein. Design hat oder hatte einen festen Stellenwert in unserem Leben, wer unsere Wohnung kennt, weiß das. Auf meinem letzten Wunschzettel stand der Eames-Chair, bevor wir ausgestiegen sind, ich habe dann stattdessen den Eames Elefanten unter den Weihnachtsbaum gestellt.

 

Es ist eine Ironie des Schicksals, dass es uns ausgerechnet jetzt, hierher verschlagen hat. Aufgrund der aktuellen Corona Situation meiden wir gerade Menschen und werden daher nicht das Vitra Museum besuchen. Sehr schade.

 

Spätestens seit der Guggenheim-Ausstellung 2006 in Bonn bin ich infiziert. Das war meine erste Dauerkarte für ein Museum. Ich kann an keiner Guggenheim-Ausstellung vorbeigehen und bin bekennender Gehry-Fan. Die Guggenheim in Bilbao war ein absolutes Muss auf unserer jetzigen Reise, wie 2011 auch die Guggenheim in Venedig. Design, und besonders Bauhaus-Design finde ich faszinierend.

  

 

Torgit hat ja schon ein wenig zum Thema Design geschrieben. - Klar, bereits durch meinen Herrn Papa, der u.a. die Altstadtsanierung meines Heimatortes Lennep begleitet hat, hat mich die Architektur von Kindsbeinen an begleitet.  Durch meine Tätigkeit im Hausvertrieb war Design ein ständiges Thema. - Als sich mein großer Bruder seinen ersten Adjustable Table, mit der spannenden Nummer E 1027, von Eileen Gray leistete, wollte ich auch einen haben. - Mir hat das Bauhausdesign von Anfang an gut gefallen. Von hier bis zu unseren Corbusier Sessel und Couch war es ein kurzer Weg. - Doch was ist aus der Idee geworden funktionale Architektur und Möbel durch industrielle Fertigung erschwinglich zu machen? - Denn das Bauhaus Design war "von der Hoffnung getrieben, aus Trümmern Neues zu schaffen: Praktische, schnörkellose und schöne Dinge für die Arbeiterschicht." - Unser Cassina LC2 Sofa wird zur Zeit für über 8.000,- € gehandelt, der passende Sessel für über 4.500,- €. - Unsere Wagenfeld Tischleuchten  WG 24, von Tecnolumen gehen für über 400 € über den Tresen.  Die o.g. Beistelltische von Eileen Gray liegen bei über 600,- €. - Doch was sind all die schönen Dinge wert, wenn wir sie heute verkaufen? - Vielleicht kommen wir ja dann ungewollt zurück zum Ursprung. - Falls zufällig jemand Desigermöbel zu bezahlbaren Preisen sucht, jetzt wäre die Chance. - Ich bin auf alles vorbereitet. 

 

Am späteren Nachmittag beschließen wir uns einen geeigneteren Platz für die Nacht zu suchen. - Nicht nur, dass wir hier nicht offiziell übernachten dürfen, "entsprechende Verbotsschilder", es sind auch zu viel Angler vor Ort. - Wir wollen heute keine Diskussionen. So fahren wir zuerst an den nahe gelegenen Rhein. In direkter Nähe zur Rheinfähre Neuburgweier gibt es einen Parkplatz - 48°58'39.8"N 8°15'28.7"E -.

Doch hier sind schon einige Camper gestrandet. Dies ist uns alles zu eng. Wir sollen, wollen ja Abstand halten. So fahren wir weiter an den, ca. zehn Minuten entfernten Epplesee. Hier gibt es einen Parkplatz an den "Liegewiese am Epplesee" - 48°57'56.8"N 8°19'52.0"E. - Hier genießen wir erst einmal den Sonnenuntergang. Auf den ersten Blick wirkt alles friedlich. Es sitzen vereinzelt Grüppchen am Wasser. - Was verstehen diese Menschen eigentlich nicht an "haltet Abstand"? - Überall wird lauthals über das Thema Corona diskutiert. So schön der Sonnenuntergang über dem See ist, dies ist kein guter Platz zum Übernachten. Darüber hinaus läuft die Förderanlage der Kiesgrube Rheinstetten-Forchheim auch am Abend, also Ruhe fänden wir hier nicht. 

 

So fahren wir weiter in Richtung Spessart (Ettlingen). Vielleicht finden wir ja einen geeigneten Waldparkplatz. Wir schauen uns zwei an. Dann bleibt es genau beim Waldparkplatz Spessart - 48°55'11.0"N 8°25'38.2"E -. Das der auch so heißt, sehen wir jedoch erst am nächsten Morgen. - Damit es zu keiner Verwechslung kommt, der bekannte Forst Spessart ist von hier etwa 240 Kilometer entfernt. 

 

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