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Tag No. 201 - Die Wand

 

Als ich heute morgen aufwache und die Augen aufschlage ist das Erste, was ich sehe, eine Wand. Zwar eine sehr schöne Wand, aber das ändert nichts daran, dass es eine Wand ist. Der ein oder andere fragt sich jetzt, was daran unnormal ist. Für mich: ALLES. Im Bulli aufzuwachen, ist das Größte. Mitten in der Natur. Bevor ich die Augen aufschlage, höre ich schon die Vögel. Und nicht nur wie in Köln gurrende Tauben oder fürchterlich laut schnatternde Sittiche, sondern eine Vielschichtigkeit von Singvogelstimmen, die ich in dieser Art schon sehr lange in Deutschland nicht mehr gehört habe. Und das besonders Tolle daran ist, dass sich je nach Ort auch diese Vogelstimmen, die mich morgens begrüßen, ändern. Die Wenigsten kann ich identifizieren, und das finde ich sehr schade. Mein Opa hat mir vor über 40 Jahren mal ein Buch über Vögel geschenkt. Damals konnte ich nichts damit anfangen. Heute schon. Diese Vogelstimmen machen mich morgens glücklich, mir geht das Herz auf. 

 

Wenn ich dann die Augen aufschlage, sehe ich Natur. Natur pur. Viel Grün, und wenn ich besonders viel Glück habe, sehe ich das Blau des Meeres. Das macht mich glücklich, so einfach ist das. Die weiße Wand heute morgen kann noch so schön sein, und unser Schlafzimmer ist nicht nur mit 30qm sehr groß, es ist auch sehr schön und mit viel Liebe eingerichtet. Doch die Natur kann sie nicht ersetzen. Und da bin ich an dem Punkt, dass alles Geld der Welt nicht glücklich macht. Glück kann man nicht kaufen. Doch dazu später mehr. Glück bedeutet für mich die Freiheit, das zu tun was ich möchte. Und das Glück wacht gerade neben mir auf.

 

Ich kann die Kuschelcamper nicht verstehen, die auf den Stellplätzen in Reih und Glied dicht an dicht stehen. Beim Blick aus dem Fenster sehen sie auch nur weiß, nämlich die Camper rechts und links neben ihnen. Ich stehe ungern auf Campingplätzen. Da höre ich nicht nur nach dem Aufwachen Dinge, die ich gar nicht hören möchte, sondern ich werde oft davon geweckt. Wenn die Nachbarn sich über Dinge unterhalten, die mich überhaupt nicht interessieren. Wenn ich Glück habe, schimpfen sie in einer Sprache, die ich nicht verstehen. 

 

Glück bedeutet für mich auch Nähe. Morgens neben meinem weltbesten Ehemann aufzuwachen, ist das Größte. Seine Nähe zu spüren. Und diese Nähe auch noch zu spüren, wenn ich dann Kaffee koche. Denn im Bulli klappe ich ja nur die Abdeckung der Küche hoch und habe die Küche direkt neben dem Bett. Für mich ist das Luxus, dass ich nicht aufstehen muss zum Kaffeekochen. Unsere Wohnung hier ist so groß, dass ich manchmal gar nicht weiß wo Marc ist. Das kann mir im Bulli nicht passieren. 

 

 

Heute fange ich mit unserer Haushaltsauflösung an. Unsere Untermieter haben bei ihrem Auszug schon das ein oder andere mitgenommen, wie z.B. eine Kommode, den Bürostuhl, die Tagesdecke und ein paar Kleinigkeiten. Es fällt mir leicht mich von diesen Dingen zu trennen, mein Herz hängt nicht daran. Heute werde ich anfangen Dinge bei Ebay Kleinanzeigen einzustellen. Ich bin gespannt wie es läuft. Jetzt in der C-Krise. Wo gefühlt alle zuhause sind und Zeit haben auszumisten und Dinge zu verkaufen. Oder ist es eine Chance für uns, dass viele Geschäfte geschlossen sind? Und damit mehr Menschen second hand kaufen? Dann hätte die Krise auch etwas Gutes. Denn die Wegwerfmentalität hat mir noch nie gefallen. Obwohl wir ihr früher auch verfallen waren, rein aus Zeitmangel. Es war schon immer einfacher Dinge neu zu kaufen. 

 

Ach ja: Seht ihr etwas auf den Fotos was Euer Interesse weckt? Meldet Euch gerne, es steht fast alles zum Verkauf. Die Küche ist schon verkauft, aber das Bett, Lampen, Kaffeemaschine, Tisch & Stühle und die unendlich vielen Kleinigkeiten sind auch zu verkaufen

 

Marc: Ich möchte nur darauf hin weisen, dass ich nicht zum Verkauf stehe. - Ich höre hier immer das Wort Krise, als alter Vertriebler bin ich chancenorientiert. Ich glaube daran, dass neben all den schrecklichen Dingen, diese "Krise" eine ganz große Chance ist. Es gilt nur zu überleben. Doch viele Dinge, für die ich in der Vergangenheit belächelt wurde, werden jetzt umgesetzt. Wie oft habe ich darüber diskutiert mehr auf Online-Konferenzen zu setzen, statt stundenlang unnötig durch die Gegend zu fahren. Homeoffice & Co. - Auf einmal gehen Dinge, die ansonsten immer wieder zurück gewiesen wurden. Wenn die Krise vorbei ist, wird die Welt eine andere sein. 

 

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