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Tag No. 202 - Lasset die Spiele beginnen

 

Lasset die Spiele, äh die Haushaltsauflösung, beginnen. Der Verkauf unseres Hab und Guts  erweist sich als zeitraubender als gedacht. Begonnen habe ich mit dem Gartenequipment, was im Keller lagert. Alles hoch in den Garten tragen, säubern, Fotos machen (von ‚Mist der Hintergrund ist nicht so schön’, bis zu ‚Mist die Sonne steht falsch, ich habe Schatten auf dem Foto’), Preise eruieren im Netz. Mist, den Vertikutierer gab es letzte Woche erst wieder bei Aldi, den kauft doch jetzt keiner. Klarer Fall von Denkste, der war als erstes weg, nach einer knappen Stunde. Kärcher Mehrzwecksauger, Heizstrahler, Wäscheständer, Petromax, Gartenliege – alles soll raus. Lohnt es sich den Rasenkantentrimmer einzustellen? Was bringt der denn? Wenn ich ihn für 9,- einstelle, werde ich auf 5,- runtergehandelt. Das lohnt den Aufwand nicht. Aber was soll ich sonst damit machen? Die Flohmärkte sind abgesagt wegen der C-Krise. Wer gerade einen Rasenkantentrimmer brauchen kann, möge sich gerne bei mir melden. Kontaktlose Übergabe möglich, oder besser gesagt erwünscht. Denn unser Vorsatz uns in unserem Bunker einzuigeln, wird uns schwer gemacht. Gefühlt kommen viel zu viele Menschen zu uns in den Bunker. Und solange das so ist, kann ich leider nicht riskieren meine Eltern zu sehen. Und das macht mich traurig. 

  

Unsere Nachmieter besichtigen noch einmal unsere Wohnung, mit Handschuhen und auf Abstand. Aber natürlich passt man mal nicht auf und kommt sich doch näher als man eigentlich wollte. Der Sohn von Freunden bringt etwas vorbei und quatscht sich fest. Vielen Dank, und schön Dich mal wieder zu sehen, aber eigentlich wollten wir in freiwillige Quarantäne. 

 

Marc: Seit Torgit diese Zeilen schrieb, sind schon ein paar Tage vergangen. Wir haben schon einiges verkauft. Bauhaus Klassiker erzielen die größte Nachfrage. Unsere Adjustable Table, ein Entwurf mit der Bezeichnung E 1027, von Eileen Gray, sowie eine Wagenfeld Bauhaus Tischleuchte wechselten schnell die Besitzer, von wegen Treue halten. - Schon komisch, dass etwas, was in den 20er des letzten Jahr-hunderts entstand, noch heute, fast 100 Jahre später eine solche Nachfrage genießt. 1987 nahm das Museum of Modern Art in New York diesen Beistelltisch in seine Design-Sammlung auf. Was ich am schrägsten daran finde ist, dass ja gerade die Bauhaus Klassiker dafür entworfen wurden Qualität durch industrielle Fertigung bezahlbar zu machen. Es würde mich freuen, wenn Sie den neuen Besitzern ebenso viel Freude bereiten, wie mir in den letzten 25 Jahren. - Das Gefühl, dass diese Dinge an Menschen gingen, die wirklich Spaß daran haben, war mir fast wichtiger, als der Preis, den ich hierfür erzielt habe. 

 

Andere Dinge tun dafür weh. Ich habe z.B. Hector eingestellt. Denn wir können ja schlecht zwei Bullis gleichzeitig fahren. Zu sehen, dass hier die Nachfrage äußerst gering ist, finde ich sehr schade. Hatte ich doch gehofft, dass er einen Workaholic findet, den er ebenfalls bekehren kann. Falls ihr jemanden kennt, lasst es uns wissen. Wir freuen uns, falls ihr diesen Link teilt.  

Für uns ist klar, der Verkauf ist eine deutlich größere Herausforderung als gedacht. Doch wir werden Sie meistern. Und danach geht es zurück auf die Straße. Diese Wohnung, welche wir geliebt haben, in der wir uns immer wohl gefühlt haben, sie ist nicht mehr unser Zuhause. Es ist Zeit zu gehen, es ist Zeit Abschied zu nehmen. Das tun wir. 

 

 

PS: Wer Bücher mag, soll sich bitte melden. Da wird manches auch unentgeltlich seinen Platz räumen, wenn zu sehen ist, es macht jemand glücklich. So wie uns, zu seiner Zeit.

 

Erkenntnis des Tages: Alles hat seine Zeit.

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